Wie sinnvoll ist eine Solaranlage mit Ost-West-Ausrichtung?

Die Ausrichtung der Solarmodule ist ein wichtiger Faktor für die Erträge einer Photovoltaikanlage. Viele Menschen glauben, dass eine Anlage mit Südausrichtung den meisten Strom produziert.

Das ist nicht immer der Fall. Höhere Erträge als eine nach Süden ausgerichtete Photovoltaikanlage kann eine Anlage mit Ost-West-Ausrichtung unter bestimmten Bedingungen bringen. Am besten gelingt das, wenn die Dachfläche optimal ausgenutzt wird.

Solaranlage mit Ost-West Ausrichtung: das Wichtigste in Kürze!

Was heißt Ost-West-Ausrichtung?

Die Dachausrichtung ist entscheidend für die Erträge einer Photovoltaikanlage. Sind die Panels genau nach Süden ausgerichtet, können in Deutschland hohe Erträge erzielt werden.

Die Photovoltaikanlage produziert den meisten Strom in den Mittagsstunden, wenn die Sonne direkt darauf scheint.

Eine Photovoltaikanlage kann aber auch gute Erträge bringen, wenn die eine Hälfte der Module nach Osten und die andere Hälfte nach Westen ausgerichtet ist. Das bedeutet Ost-West-Ausrichtung.

Die nach Osten ausgerichteten Module produzieren in den Morgenstunden Strom, während die nach Westen ausgerichteten Module den Strom in den Abendstunden produzieren.

Sinnvolle Ausnutzung beider Dachhälften

Um hohe Erträge zu erzielen, kommt es darauf an, dass die Module weder im Osten noch im Westen verschattet sind. Der Strom wird dann produziert, wenn er am meisten benötigt wird: am Morgen und in den Nachmittagsstunden.

Da beide Dachhälften genutzt werden, ist die Stromerzeugung über den Tag gleichmäßig verteilt.

Die Anlage mit Ost-West-Ausrichtung kann über einen längeren Zeitraum Strom produzieren und liefern, als eine PV-Anlage mit Südausrichtung.

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Solar Ertrag je Ausrichtung

Warum ist Photovoltaik mit Ost-West-Ausrichtung sinnvoll?

Wie eine Berechnung von Renusol, einem Hersteller von Montagesystemen mit Sitz in Köln, zeigte, kann eine Photovoltaikanlage mit Ost-West-Ausrichtung bis zu 40 Prozent mehr Strom produzieren als eine Anlage mit Südausrichtung.

Bei den Untersuchungen handelte es sich um Anlagen, die auf Flachdächern installiert waren, was vorwiegend für Gewerbebetriebe interessant ist. Die Module in Westausrichtung liegen den Modulen in Ostausrichtung gegenüber.

Die Dachfläche wird optimal ausgenutzt, da die Module auch ohne Reihenabstände flach aufgeständert werden können.

Bei einem Aufstellwinkel von 10 Grad verschatten sich die Module nicht gegenseitig. Wie die Mitarbeiter von Renusol berechneten, können auf einer Dachfläche von 150 Quadratmetern statt der sonst üblichen 91 Module sogar 170 Module installiert werden. Das ergibt bei einer Anlagenleistung von 250 Watt eine Leistung von 2,5 statt 22,75 Kilowatt.

Zwar ist diese Studie aus dem Jahr 2014, dennoch ist das Ergebnis immer noch repräsentativ (Quelle: Photovoltaik.eu).

Längere Dauer der Stromproduktion am Tag

Die Ost-West-Anlage erzielt keine Spitzenerträge in den Mittagsstunden, so wie eine nach Süden ausgerichtete Anlage. Sie beginnt jedoch früher mit der Stromproduktion und liefert noch bis in die Nachmittagsstunden hinein Erträge.

Die Erträge der einzelnen Module sind bei einer Anlage mit Ost-West-Ausrichtung zwar geringer, doch da mehr Module montiert werden können, produziert die Anlage insgesamt mehr Strom.

Die Investition kann angesichts der fallenden Preise für die Module sinnvoll sein. Wie die Experten von Renusol ermittelten, kann der Gesamtertrag um 43 Prozent höher sein als bei einer Anlage mit Südausrichtung.

Wirtschaftlich ist eine Anlage mit Ost-West-Ausrichtung, da der Eigenverbrauch erhöht wird. Angesichts der immer geringer ausfallenden Einspeisevergütung ist das ein wichtiger Sparvorteil.

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Welche Module und Wechselrichter sind für eine Ost-West-Ausrichtung sinnvoll?

Um höchstmögliche Erträge mit einer Ost-West-Anlage zu erzielen, kommt es auf die Wahl der richtigen Module und Wechselrichter an. Für die beiden Ausrichtungen müssen keine getrennten Wechselrichter verwendet werden.

Der Wechselrichter sollte zumindest über einen MPP-Tracker verfügen. MPP ist die Abkürzung für Maximum Power Point, was Punkt mit maximaler Leistung bedeutet.

Mismatching-Verluste werden damit vermieden. Unter Verwendung von MPP-Wechselrichtern wurden für Ost-West-Anlagen Messungen bei kristallinen Modulen und Dünnschichtmodulen durchgeführt.

Mismatch kommt aus dem Englischen und bedeutet „Nichtübereinstimmung“. In Bezug auf die Photovoltaik ist mit Mismatching der Leistungsverlust im Unterschied in der Ausrichtung, Leistung und Neigung der Solarmodule gemeint.

Die Messungen zeigten, dass die Missmatching-Verluste abhängig von den gewählten Modulen und deren Neigungswinkel sind. Die Mismatching-Verluste sind umso höher, je höher der Neigungswinkel ist.

Wie die Untersuchungen zeigten, sind Dünnschichtmodule für eine Ost-West-Ausrichtung besser geeignet, da sie geringere Mismatching-Verluste aufweisen.

Was ist bei der Ausrichtung von Photovoltaik-Anlagen zu beachten?

Bei der Ausrichtung von Photovoltaik-Anlagen ist es wichtig, die Seiten zu wählen, von denen die Anlage die meiste Sonne bekommt.

Die Anlage sollte nicht durch hohe Gebäude, Bäume und andere Objekte verschattet sein. Eine Rolle spielt auch die Dachneigung oder der Winkel der Aufständerung. Zu beachten ist auch die Globalstrahlung, also die Strahlungsmenge, die innerhalb eines Jahres auf eine Fläche von einem Quadratmeter trifft.

Wichtig ist bei einer Ost-West-Ausrichtung auch der Azimutwinkel, also der Winkel zur Abweichung von einer Südausrichtung.

Die Vorteile einer Ost-West-Belegung

  • Direkte Nutzung des Stroms, da er in den Morgen- und Nachmittagsstunden erzeugt wird
  • beide Dachseiten bekommen zweimal am Tag Sonne
  • Stromspeicher ist nicht erforderlich, da der Strom direkt genutzt werden kann
  • Abriegelung von 70 Prozent ist nahezu verlustfrei
  • bei Flachdächern sind um ca. 40 Prozent höhere Erträge als bei Südausrichtung möglich.

Welche Faktoren sind für den PV-Ertrag wichtig?

PV-Module & Wechselrichter

Welche PV-Module und Wechselrichter zum Einsatz kommen, haben Einfluss auf den Ertrag.

Dachneigung

In welchem Winkel ist Ihre Dachfläche geneigt. Der optimale Neigungswinkel beträgt 35°. Hier können Sie Ihre Dachneigung berechnen.

Dachausrichtung

Die optimale Ausrichtung ist Richtung Süden. Die schlechteste ist in Richtung Norden. Wie hier beschrieben, ist die Belegung des Ost-West-Dachs auch optimal, je nachdem wie Sie den Strom im Haushalt verbrauchen. Hier können Sie Ihre Dachfläche berechnen.

Fazit

Eine Ost-West-Ausrichtung ist vorwiegend für Flachdächer geeignet. Sie kann unter den richtigen Bedingungen ca. 40 Prozent mehr Strom erzeugen als eine Anlage mit Südausrichtung.
 
Dünnschichtmodule und MPP-Wechselrichter sind am besten geeignet. Dennoch können ohne Probleme kristalline Module zum Einsatz kommen, da diese langlebiger sind.
 
Mit einer Ost-West-Ausrichtung wird der Strom dann produziert, wenn er benötigt wird. Wichtig hierbei zu beachten, dass die Stromintensiven Geräte wie Waschmaschine etc. morgens oder abends zum Einsatz kommen.

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