Elektroauto – Grüne Weste oder nicht?

Ist das Elektroauto so grün, wie oft behauptet? Am Anfang einer jeden Bewertung steht die Ökobilanz. Ohne sie lassen sich keine Aussagen über die Effizienz oder die Nachhaltigkeit eines Produkts, also auch eines E-Mobiles, machen.




Ökobilanz – Was ist das?

Bei einer Ökobilanz handelt es sich, laut dem Umwelt Bundesamt, um ein Verfahren, dass dazu dient, umweltrelevante Vorgänge zu erfassen und zu bewerten. Sie kann sowohl für Produkte, Verfahren und Dienstleistungen als auch für Verhaltensweisen angewendet werden.

Ergebnisse und Verwendungen von Ökobilanzen

Bei der Ökobilanz – auch Lebenszyklusanalyse oder life cycle assessment (LCA) genannt – wird, nach Möglichkeit, die vollständige Prozesskette (bspw. eines Produkts oder einer Dienstleistung) betrachtet. Beginnend also bereits beim Rohstoffan-/abbau, über die Produktion und Nutzung bis zur Entsorgung. Somit bietet die LCA Möglichkeiten Prozesse miteinander zu vergleichen, zu optimieren und schließlich die Produktion oder andere Teilbereiche nachhaltiger zu gestalten. Außerdem kann man die möglichen (Aus-)Wirkungen von etwas abschätzen.

Der ökologische Fußabdruck

Er beschreibt die CO2-Bilanz, die etwas oder jemand hat. Dabei muss wieder auf die vollständige Kette geachtet werden.
Ein vereinfachtes Beispiel: Petra fährt immer mit dem Fahrrad zum Einkaufen. Sie kauft Kartoffeln, die in Ägypten angebaut wurden.
Petra hat zwar einen niedrigen CO2 Ausstoß bezüglich ihrer Fortbewegungsart. Der CO2 Ausstoß ihrer Kartoffel (möglicher Import der Saat, Aussaat und Anbau in Ägypten, Ernte, Transport nach Deutschland) ist dahingehen sehr hoch.
Claudia hingegen fährt immer mit dem Auto zum Einkaufen. Sie kauft die Kartoffeln eines regionalen Bauern ein.
Claudias CO2 Ausstoß bezüglich ihrer Fortbewegungsart ist also hoch – dahingehen der ihrer Kartoffeln deutlich geringer als der von Petra.
Es gilt also: Wer nicht mit Quadratlatschen in punkto ökologischem Fußabdruck herumlaufen möchte, der muss vorrausschauend und einen Schritt weiterdenken. Oder zurück. Hilfreiche Tipps, wie das klappen kann, findest du hier.

Elektroauto – ist es so komplett sauber, wie es immer heißt?

Natürlich nicht. Konsum – also auch Produktion – kann nie 100% sauber und somit CO2-frei sein. Das ist aber erstmal gar nicht schlimm. Die Menge machts nämlich.

Kein Auspuff, kein Abgas – ganz sauber!

So einfach ist das Ganze nicht. Zwar produziert ein Elektroauto, das rein elektrisch angetrieben werden, keinen Kohlenstoffdioxidausstoß, die Werke die ihren Treibstoff, den Strom produzieren, besitzen aber einen Schornstein. Und der spuckt sehr wohl CO2 aus. Zudem wird auch für die Herstellung eines E-Autos jede Menge Energie benötigt. Im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor sogar erheblich mehr. Vor Allem die Akkuherstellung ist mit einem sehr großen Strombedarf behaftet. Die Umweltbelastung ist also durch das Elektroauto, wenn es fertig vom Band rollt, bereits um ein Deutliches höher, als bei herkömmlichen Fahrzeugen.
Die entscheidende Frage: Schafft es ein Elektroauto, seine bisher angefallenen Mehr-Schulden zu begleichen und trotzdem effizienter und umweltfreundlicher zu sein?
Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Sie ist nämlich stark von unzähligen Faktoren abhängig.

Einige Beispiele sind
– Der Stromverbrauch: Wieviel Energie wird benötigt um das jeweilige E-Modell herzustellen und wie viel benötigt es im späteren Einsatz? Wie sieht es im Vergleich dazu zu Autos mit Verbrennungsmotoren aus?
– Art des Stroms: Woher kommt der Strom? Wie ist er zusammengesetzt? Nicht jeder Strom ist automatisch grün!
– Reichweite: Die Strecke, die ohne erneutes Laden, zurückgelegt werden kann. Je größer der Akku, desto größer die Energiekosten, desto länger der Zeitraum der Rentabilität.
– Die Lebensdauer des Fahrzeugs
– Entsorgung: Wie und wo wird es entsorgt. Welche Materialien sind biologisch abbaubar. Welche nicht.
– Produktionsstandort und -bedingungen der verbauten Teile: Produktionsbedingungen in den jeweiligen Ländern und möglicher Import.
– Der Einsatzort: Die klimatischen Verhältnisse am Standort des jeweiligen Fahrzeugs (bspw. Der Bedarf einer Heizung oder Klimaanlage); Nutzung in der Stadt oder der Autobahn, auf Lang- oder Kurzstrecke; Geographische Verhältnisse – Flachland oder bergig.

Wie zu sehen ist, ließen sich endlos viele Kriterien finden. Je nach Einflussstärke eines Faktors verändern sich also die Ergebnisse, die Studien und andere Untersuchungen zu diesem Thema erzielen. Die Komplexität dieses Themas reicht sogar noch viel weiter. So können auch Untersuchungswerte zwischen den einzelnen Fahrzeugtypen eine Rolle spielen. Beispielsweise wie hoch der Grad der Umweltverschmutzung durch die Förderung von Öl ist. Als Laie stößt man dort schnell an seine Grenze. Es darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass viele Untersuchungs- und Studienveröffentlichungen über einen langen Zeitraum erhoben wurden und ihre Ergebnisse häufig, auf Grund des schnellen technischen Fortschritts, bereits relativ veraltet sind.

Doch alles schlecht?

Nein. Wie bereits erwähnt, sind die Einflussfaktoren komplex. Aber sie sprechen dennoch für die Nutzung von Elektroautos. Stimmen die Rahmenbedingungen, wie z.B. der Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien, kann ein solches Gefährt tatsächlich dazu beitragen, die Umwelt erheblich zu schonen.

Finger weg vom Rebound-Effekt!

Der Rebound-Effekt beschreibt sich, einfach ausgedrückt, als folgendes Phänomen: Aufgrund einer Produktivitätssteigerung kommt es zu einer Mehrnachfrage. Viele simple Beispiele lassen sich immer wieder im Alltag finden:
– Gelingt es, ein Produkt schneller herzustellen, als zuvor, führt dieses meist nicht dazu, dass der Hersteller seinen Feierabend früher einleitet, sondern eher dazu, dass er in der gleichen Zeit mehr Produkte produziert. Sein Energiebedarf steigt und die eigentliche Ressourceneinsparung ist nicht mehr vorhanden.
– Im Haus von Sarah wurde eine neue Heizungsanlage eingebaut. Diese ist deutlich effizienter und umweltfreundlicher. Sie spart dadurch monatlich einige Euro Heizkosten. Von diesem gesparten Geld fliegt sie in den Urlaub. Die Ressourceneinsparung im einen Bereich wird durch die Mehrnutzung in einem anderen aufgehoben.
Ähnlich verhält es sich oft bei Nutzern von E-Autos. „E-Mobile sind besser für die Umwelt, also ist es weniger schädlich, wenn ich mit ihnen fahre. Dementsprechend ist es okay, wenn ich heute mit dem Auto zu Arbeit fahre, anstatt mit dem Fahrrad.“




Fazit

Das Elektroauto ist nicht gut für die Umwelt. Es kann nur weniger schlecht sein. Seine Entwicklung steckt zwar nicht mehr in den Kinderschuhen, aber ihre Effizienz kann und muss steigen. Vor allem im Bereich der Akkuherstellung und dessen Leistung, sowie der Nutzung von regenerativen Energiequellen muss noch viel geschehen. Aber auch heute schon, kann ihre Nutzung dazu beitragen, die Umwelt zu schonen.
Wege dahin:
– Bezug des Stroms aus regenerativen Quellen
– Verzicht auf große Automodelle mit hohem Verbrauch
– Genaues Informieren über das jeweilige Modell und Vergleiche untereinander
– Umfassende Betrachtung der Prozesskette vom Anfang bis zum Ende
– Man muss nicht jeden Weg mit dem Auto erledigen. Vor allem sollten die gefahrenen Kilometer nicht steigen. Fahrräder sind sogar noch besser für die Umwelt. Füße sogar unschlagbar.

Quellen:

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/produkte/oekobilanz
https://www.spektrum.de/news/wie-ist-die-umweltbilanz-von-elektroautos/1514423
https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/rebound_effekt_1822.htm
Hochschule Bochum, Seminar: Grundlagen der Nachhaltigkeit

Hi Five!
Danke!

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