Agri- oder Agrophotovoltaik – schnell und einfach erklärt!

Der steigende Bedarf an erneuerbaren Energien führt zu einer zunehmenden Konkurrenz zwischen landwirtschaftlichen Nutzflächen und Flächen für Solarparks. Die Lösung ist Agrophotovoltaik, die eine doppelte Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen ermöglicht. Ackerbau und Photovoltaik werden optimal kombiniert, um Solarstrom und Lebensmittel gleichzeitig zu gewinnen.

Was ist Agrophotovoltaik?

Unter Agrophotovoltaik versteht man die gleichzeitige Nutzung von Flächen für die photovoltaische Stromerzeugung und die Landwirtschaft. Die Koexistenz von Solarmodule und Feldfrüchten impliziert eine gemeinsame Nutzung des Lichts durch diese beiden Produktionsarten, sodass bei der Planung von Agrophotovoltaikanlagen unter Umständen Ziele wie die Optimierung des Ernteertrags, der Erntequalität und der Energieerzeugung abgewogen werden müssen.

Die Agrophotovoltaik steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen, doch sind die ersten Anlagen bereits in Betrieb.

Welche Genehmigungen sind erforderlich?

In einem von den Ressorts Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), Umwelt (BMUV) und Landwirtschaft (BMEL) am 10. Februar 2022 herausgegebenen Eckpunktepapier heißt es, dass alle Photovoltaikanlagen auf Ackerflächen grundsätzlich zulässig sein sollen, um dieselbe Fläche landwirtschaftlich und energetisch zu nutzen. Genaue Regelungen, welche Genehmigungen für solche Anlagen erforderlich sind, liegen noch nicht vor.

Für die Landwirtschaft könnte die Installation von Photovoltaikanlagen auf Ackerflächen einen Nutzen haben, da die Bodenversiegelung nur gering ist und sich die Ackerflächen wieder erholen könnten. Noch ist die Rechtslage komplex. Die einzelnen Bundesländer könnten durch das Landesrecht regeln, ob Genehmigungen für die Installation von Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen erforderlich sind.

Genehmigungen könnten durch die unteren Baubehörden der Kommunen erteilt werden. Die unteren Baubehörden prüfen, ob die Installation von Photovoltaikanlagen umweltverträglich ist, und könnten gegebenenfalls Auflagen erteilen.

Was kostet eine Agrophotovoltaik-Anlage?

Was eine Agrophotovoltaik-Anlage kostet, hängt von der Größe, der Leistung und der Art der Module ab. Pauschale Angaben sind noch nicht möglich, da mit dieser Art der Stromerzeugung aus Sonnenenergie in Deutschland erst begonnen wird. Um eine solche Anlage zu errichten, ist eine spezielle Unterkonstruktion erforderlich.

Bei der Unterkonstruktion werden im Schnitt Kosten von 400 Euro pro kWp angesetzt. Zusätzlich müssen die Module und deren Installation berücksichtigt werden. Im Verhältnis zur normalen Freiflächen-Photovoltaik sind solche Anlagen gegenwärtig noch teuer.

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Welche Förderungen gibt es?

Bundestag und Bundesrat haben mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG2021) im Dezember 2020 erstmals eine reguläre Förderung für Agrophotovoltaik beschlossen. Die Bundesnetzagentur will 2022 erstmalig 50 Megawatt dieser Form von Photovoltaik mit einer EEG-Marktprämie fördern.

Eine Förderung ist für Anlagen bis zu einer Größe von 10 Megawatt vorgesehen. Der Förderzeitraum liegt bei 20 Jahren. Eine Förderung mit Mitteln der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ist möglich, sofern die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen zu nicht mehr als 15 Prozent beeinträchtigt wird.

Welche Hersteller gibt es?

Da die Agrophotovoltaik noch neu ist, gibt es noch nicht viele Hersteller solcher Anlagen. Einer dieser Anbieter ist Next2Sun, der ein solches Projekt in Donaueschingen errichtet hat. Ein weiterer Hersteller ist Arctech Solar, der solche Anlagen bereits für die Installation über Fischfarmen gefertigt hat. Goldbeck Solar arbeitet zusammen mit dem Montagehersteller PMT am Solarbogen MarcS, der für Agrophotovoltaik geeignet ist. Dieses Konzept befindet sich noch in der Erprobung.

Ist eine Agrophotovoltaik-Anlage wirtschaftlich?

Umfangreiche Aussagen über die Wirtschaftlichkeit von Agro-PV-Anlagen sind noch nicht möglich, da sich diese Anlagen in der Pilotphase befinden. Diese Anlagen sind teurer als herkömmliche Freiflächenanlagen, da sie eine spezielle Aufständerung benötigen. Die Kosten für die Anschaffung und die Installation der Anlage müssen sich amortisieren. Dafür müssen die entsprechenden Erträge an Strom aus Sonnenenergie in einem bestimmten Zeitraum erzielt werden.

Durch die Aufständerung wird die Größe der landwirtschaftlichen Nutzfläche eingeschränkt. Dennoch kommt es darauf an, entsprechend hohe landwirtschaftliche Erträge zu erzielen und die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen nicht wesentlich zu beeinträchtigen. Wirtschaftlichkeit ist dann gewährleistet, wenn die Anlage entsprechende Erträge bringt und Synergieeffekte für die Landwirtschaft bietet.

Für die Wirtschaftlichkeit ist die Stromerzeugung entscheidender als die landwirtschaftlichen Erträge. Landwirte können den erzeugten Strom in ein öffentliches Netz einspeisen, direkt vermarkten, aber auch selbst nutzen, um Stromkosten zu sparen und autarker von öffentlichen Anbietern zu werden.

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Welche Vor- und Nachteile hat Agrophotovoltaik?

Ein entscheidender Vorteil von Agrophotovoltaik ist die doppelte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für die Nahrungs- oder Futtermittelproduktion sowie die Stromerzeugung. Agro-PV kann noch weitere Vorteile haben:

  • Erhöhung der Beiträge der Landwirte zur Stromerzeugung, neben Biomasse
  • weniger Flächenkonkurrenz durch Solarparks und landwirtschaftliche Nutzflächen
  • Landwirte können den erzeugten Strom selbst nutzen und ihren Eigenverbrauch erhöhen
  • zusätzliche Einkommensmöglichkeit für Landwirte
  • Verschattung durch die Module als Nutzen für die Landwirtschaft in ariden (wüstenähnlichen) Gebieten
  • Schutz landwirtschaftlicher Kulturen vor Dürreschäden und Witterungseinflüssen
  • Förderungen möglich.

Nachteile bestehen in den hohen Kosten, da eine spezielle Aufständerung erforderlich ist, und in der Veränderung des Landschaftsbildes, die nach mehr Akzeptanz verlangt.

Welche Zukunft hat die Agrophotovoltaik?

Agrophotovoltaik steht gerade erst am Anfang. Irgendwann könnte die Herstellung solcher Anlagen, speziell der erforderlichen Aufständerungen, kostengünstiger werden. Da der Bedarf an erneuerbaren Energien steigt, könnten solche Anlagen die Lösung der Wahl sein, da Freiflächen-Photovoltaik mit Landwirtschaft kombiniert wird. Profitieren auch die Landwirte mit höheren Erträgen davon, könnte sich Agrophotovoltaik künftig durchsetzen.

Bildquelle: Trommsdorff_Wikipedia

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