Deutschland: Photovoltaik-Boom und Rückkehr der Kohle

Nach wie vor stammt noch fast ein Drittel des in Deutschland erzeugten Stroms aus Kohlekraftwerken. Konventionelle Energieträger, zu denen auch Erdgas und weitere fossile Brennstoffe gehören, machen auch 2022 noch mehr als die Hälfte der Stromeinspeisung aus. Einen immer größeren Stellenwert gewinnen jedoch erneuerbare Energien, vor allem Photovoltaik.

stromeinspeisung in Deutschland 2022
Bildquelle: destatis.de

Überblick über die Stromeinspeisung 2021 und 2022 im Vergleich

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung in Deutschland wächst stetig. Ein Rückgang der konventionellen Stromerzeugung ist nicht im gleichen Maße zu beobachten.

Da noch keine aktuellen Zahlen für die Stromeinspeisung im vierten Quartal 2022 vorliegen, informiert der Überblick über die Stromeinspeisung im dritten Quartal 2021 und 2022 im Vergleich.

Konventionelle Energieträger bei der Stromeinspeisung

Der Anteil der konventionellen Energieträger ging 2022 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück. Lag der Anteil im dritten Quartal 2021 noch bei 57 Prozent, so waren es im dritten Quartal 2022 nur noch 55,6 Prozent.

Auffällig ist, dass der Anteil der Kohle 2022 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Bei Erdgas ist ebenfalls ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Ein Rückgang ist hingegen bei der Kernenergie zu beobachten. Die einzelnen konventionellen Energieträger waren an der Stromeinspeisung folgendermaßen beteiligt:

  • Kohle 2021 mit 31,9 Prozent und 2022 mit 36,3 Prozent
  • Kernenergie 2021 mit 14,1 Prozent und 2022 mit 7,4 Prozent
  • Erdgas 2021 mit 8,8 Prozent und 2022 mit 9,2 Prozent
  • sonstige konventionelle Energieträger 2021 mit 2,2 Prozent und 2022 mit 2,7 Prozent

Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromeinspeisung

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromeinspeisung hat im dritten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum geringfügig zugenommen. Betrug der Anteil 2021 noch 43,0 Prozent, so waren es 2022 bereits 44,4 Prozent. Bei Wasserkraft ist 2022 gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang zu beobachten, während der Anteil anderer erneuerbarer Energieträger gestiegen ist.

Photovoltaik spielt aufgrund der höheren Zahl an Sonnenstunden eine wichtige Rolle. Die Anteile der einzelnen erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung gliedern sich wie folgt:

  • Windkraft 2021 mit 16,5 Prozent und 2022 mit 16,8 Prozent
  • Biogas 2021 mit 5,9 Prozent und 2022 mit 6,1 Prozent
  • Photovoltaik 2021 mit 13,3 Prozent und 2022 mit 16,0 Prozent
  • Wasserkraft 2021 mit 4,4 Prozent und 2022 mit 2,9 Prozent
  • Sonstige erneuerbare Energieträger 2021 mit 2,1 und 2022 mit 2,6 Prozent.
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Bruttostromerzeugung 2021 und Anteile der verschiedenen Energieträger

Im Jahr 2021 wurden in Deutschland insgesamt 583 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Der Anteil der konventionellen Energieträger an der Bruttostromerzeugung lag bei 60 Prozent. Die einzelnen konventionellen Energieträger hatten folgende Anteile:

  • Braunkohle 19 Prozent
  • Erdgas 15 Prozent
  • Kernenergie 12 Prozent
  • Steinkohle 9 Prozent
  • Sonstige 4 Prozent

Kohle hatte an der Bruttostromerzeugung einen Anteil von insgesamt 28 Prozent und war damit der wichtigste konventionelle Energieträger.

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung 2021 lag bei 40 Prozent. Interessant ist ein Blick auf die Anteile der einzelnen erneuerbaren Energieträger an der Bruttostromerzeugung:

  • Windkraft 19 Prozent
  • Photovoltaik 9 Prozent
  • Biomasse 8 Prozent
  • Wasserkraft 3 Prozent
  • Hausmüll 1 Prozent

Verschwindend gering ist der Anteil von Wasserkraft und Hausmüll an der Bruttostromerzeugung. Windkraft und Photovoltaik gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Weniger Strom aus Kernenergie nach Abschaltung von drei Kernkraftwerken

Erfreulich ist der geringe Anteil an Kernenergie an der Stromeinspeisung. Im Vergleich zum dritten Quartal 2021 hat sich der Anteil an Kernenergie im dritten Quartal 2022 fast halbiert. Der Grund dafür liegt in der Abschaltung von drei Kernkraftwerken Ende 2021. Gegenwärtig sind in Deutschland nur noch drei Kernkraftwerke in Betrieb. Der Atomausstieg zeigt eine positive Wirkung.

Starker Anstieg der Photovoltaik und Windkraft 2022 im Vergleich zum Vorjahr

Im dritten Quartal 2022 lag der Anteil der Photovoltaik um 20,3 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Hauptgrund dafür ist die ungewöhnlich hohe Zahl an Sonnenstunden im dritten Quartal 2022. Gestiegen ist auch der Anteil der Windkraft an der Stromeinspeisung 2022 im Vergleich zum Vorjahr.

Das liegt daran, dass das Jahr 2021 windärmer war. Bei der Windenergie an Land hält die Ausbaukrise weiterhin an. Der Zubau 2022 lag lediglich bei 2 Gigawatt. Für die kommenden Jahre ist damit zu rechnen, dass der Zubau an Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen weiterhin hinter den Anforderungen zurückbleibt.

Rückkehr der Kohle als negative Entwicklung

Der Rückkehr der Kohle 2022 und der entsprechend höhere Anteil an der Stromeinspeisung sowie Bruttostromerzeugung gegenüber dem Vorjahr macht Energieeinsparungseffekte zunichte. Die CO₂-Emissionen 2022 mit 761 Millionen Tonnen stagnieren etwa auf dem Vorjahresniveau.

Auch wenn der Primärenergieverbrauch gegenüber dem Vorjahr aufgrund von Energiesparmaßnahmen um 4,7 Prozent zurückgegangen ist, sind die Emissionen durch einen höheren Verbrauch an Kohle und Öl gestiegen.

Fazit:

Der Anteil der erneuerbaren Energien ist 2022 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Einen hohen Stellenwert haben Windkraft und Photovoltaik. Auch wenn der Anteil der konventionellen Energieträger an der Stromeinspeisung geringfügig zurückgegangen ist, stieg der Anteil der Kohle 2022 im Vergleich zum Vorjahr.

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