Tchernobyl bekommt Solarenergie – drei Jahrzehnte nach dem Unglück

Am Freitag den 5. Oktober hat die Ukraine Informationen über ihr neues Solarenergieprojekt in Tchernobyl veröffentlicht. Nun soll also Solarenergie gewonnen werden und zwar genau dort, wo vor etwas mehr als 30 Jahren das schlimmste Atomunglück aller Zeiten passiert ist. Das Gelände ist seither ein Sperrgebiet von 30 Kilometern Radius um den Unglücksreaktor. Niemand darf mehr auf dem Gebiet leben. Daher gibt es ausreichend Platz, um in der stark kontaminierten Sperrzone ein Kraftwerk zu betreiben, das mit 3.800 Solarmodulen genügend Energie liefert, um etwa 2000 Haushalte zu versorgen.

 




Ende April geschah in Tchernobyl das bisher folgenschwerste Nuklearunglück der Welt. Damals gehörte dieser Teil der Ukraine noch zur Sowjetunion, als Reaktor 4 der Anlage verunglückte, eine riesige nukleare Wolke ganz Europa kontaminierte und zahlreiche Menschen in der Umgebung von Tchernobyl starben. Die meisten der Todesopfer forderte das Unglück nicht unmittelbar, sondern in den Wochen und Monaten, die darauf folgten. Noch heute haben zahlreiche Menschen in der Umgebung mit den Folgen des Atomunglücks zu kämpfen, die sich vor allem in Krebs und anderen Krankheiten äußern.

 

 

Evhen Variagin ist der CEO des Unternehmens Solar Chernobyl LLC, welches das neue Solarkraftwerk betreibt. „Es handelt sich nicht einfach nur um ein weiteres Solarkraftwerk, sondern um ein Projekt mit einem starken Symbolcharakter“, sagt er der Presse am Eröffnungstag. Das Kraftwerk liefert ein Megawatt ist ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen Firma Enerparc AG und der ukrainischen Firma Rodina. Es wurde eine Million Euro in das Projekt investiert. Die Regierung verspricht den Betreibern einen fixen Abnahmepreis für die ins Netz eingespeiste Energie. Dank der Kraft der Sonne liefert das Gelände nun erstmals seit der Abschaltung des letzten Reaktors im Jahr 2000 wieder Energie. Damit hatte noch vor einigen Jahren niemand gerechnet, auch nicht Valery Seyda, der Verantwortliche für die Nuklearanlage in Tchernobyl. Er freut sich darüber, dass dank der Solarenergie nun endlich wieder ein kleiner Funke Hoffnung für das schwer kontaminierte Sperrgebiet besteht.




Vor zwei Jahren wurde ein riesiger 36.000 Tonnen schwerer Schutzmantel über den Unglücksreaktor gebaut, der den langsam brüchig gewordenen Sarkophag ersetzt, welcher unmittelbar nach dem Unfall über dem Reaktor errichtet worden war. Der neue Mantel blockiert deutlich besser die schädlichen Emissionen des noch immer strahlenden Reaktor 4. Dieser kann nun von Fachleuten sicher zerlegt und untersucht werden. Nicht nur das Atomunglück hat die Ukraine dazu gebracht, verstärkt über erneuerbare Energien nachzudenken. Von Januar bis September 2018 wurden bereits Anlagen in Betrieb genommen, die mehr als 500 Megawatt an Energie aus erneuerbaren Quellen produzieren. Das ist schon mehr als das Doppelte von 2017. Die Regierung der Ukraine baut also auf Ökostrom. Das bestätigt auch Yulia Kovaliv, die dem nationalen Investitionsrat der Ukraine vorsteht. Viele Investoren wollen aktuell von einem Förderprogramm profitieren, das erneuerbare Energien bezuschusst, bevor dieses Regierungsprogramm vielleicht im Juli nächsten Jahres nicht mehr verlängert wird. Sie sagt zudem, dass Investoren vornehmlich an Projekten interessiert sind, die bereits soweit gediehen sind, dass der Bau beginnen kann, weil eben nur dann sichergestellt ist, dass die noch vor Juli 2019 in Betrieb gehen. Das neue Projekt in Tchernobyl fällt unter diese für Investoren interessanten förderfähigen Projekte.

Quellen: reuters.com

Bildquelle: Pixarbay

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