Was ist die Energiewende? Möglichkeiten, Bestandteile und Kosten

Der Begriff Energiewende nimmt in den Medien, in der Berichterstattung und im wirtschaftlichen Segment mittlerweile eine zentrale Rolle ein, häufig im Kontext des Klimawandels. Doch das Thema ist komplex und beschreibt nicht nur den Wechsel hin zu erneuerbaren Energien.

Was bedeutet die Energiewende eigentlich?

Seinen Ursprung hat der Begriff aus dem im Jahr 1980 erschienenen Buch „Energiewende – Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran“. Generell beschreibt dieser den Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung in allen Bereichen. Ob Produktion, Dienstleistung oder Privathaushalt, die Energiewende bezieht sich auf alle relevanten Faktoren. Das Mittel der Wahl zum Erreichen der Energiewende sind erneuerbare Energien. Der Begriff erhält nicht nur in Deutschland eine umfassende Relevanz, sondern betrifft die globale Gemeinschaft.

Warum ist die Energiewende wichtig?

Über viele Jahrzehnte hinweg erfolgte die Energieversorgung auf Basis endlicher Rohstoffe oder gefährlichen Produktionsarten, etwa die Kernenergie. Unbestritten ist die Endlichkeit der bisher genutzten Rohstoffe. Öl, Kohle oder Erdgas stehen nicht unendlich zur Verfügung.

Zugleich tragen die bisher genutzten Energiegewinnungsverfahren einen großen Teil zur vom Menschen verursachten globalen Erwärmung bei. Auch die Gefahren, die beispielsweise von der Kernenergie ausgehen sowie die bisher ungelösten Probleme zur sicheren Lagerung des radioaktiven Abfalls gelten als zentrale Probleme der Energiegewinnung vergangener Jahrzehnte.

Deshalb ist die Energiewende ein wichtiger Punkt, um die Folgen für die Umwelt, das Klima und somit den Menschen gleichermaßen zu vermeiden bzw. weitestgehend zu reduzieren. Die nergiewende strebt hierfür eine nachhaltige und sichere Energieversorgung in insgesamt drei Bereichen an.

Welche Sektoren tragen zur Energiewende bei?

Die Energiewende wird häufig synonym mit der Stromversorgung genannt. Allerdings stellt dieser Aspekt nur einen (kleinen) Teil der wichtigen Bereiche dar. Generell umfasst die Wende die drei Sektoren Strom, Wärme und Mobilität. Entsprechend der einzelnen Bereiche zeigen sich verschiedene Maßnahmen als gute Möglichkeit, einen Teil zur Energiewende beizutragen.

Vor allem im Bereich der Stromversorgung zeigen sich deutliche Fortschritte hin zu einer nachhaltigen Energiegewinnung. Große Windparks in der Nord- und Ostsee, die zunehmende Verbreitung leistungsstarker Photovoltaikanlagen auch im privaten Segment oder Wasserkraftwerke können bereits heute einen guten Teil der Energieversorgung übernehmen, Tendenz steigend.

Dies gilt nicht nur für Deutschland, Dänemark deckte beispielsweise bereits 2012 knapp ein Drittel des Strombedarfs mithilfe aus der Windkraft gewonnenen Energie. Die Entwicklung alltagstauglicher Elektroautos, effizienterer Motoren und neuer Kraftstoffe tragen hingegen einen Teil zur Energie Wende im Bereich der Mobilität bei. Mithilfe von Erdwärme oder Heizsystemen, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren, nimmt die Wende in der Energieversorgung abschließend auch im Sektor „Wärme“ an Fahrt auf.

Was kostet die Energiewende?

Häufig führen Gegner der Energiewende die hohen Kosten an. Tatsächlich wirken die zu erwartenden Kosten für einen Umstieg auf erneuerbare Energien enorm hoch. Bis zum Jahr 2050 rechnen renommierte Institute mit Kosten zwischen 500 und 3000 Milliarden Euro (Quelle: ifo Institut). Diese Belastungen entstehen in erster Linie durch den Aufbau einer neuen Infrastruktur, welche die Energieversorgung in den drei Sektoren übernimmt. Der Aufbau neuer Stromtrassen, Ladepunkte für Elektromobilität oder die Investitionen in alternative Heizanlagen stehen an.

Bei Betrachtung weiterer Großprojekte im Laufe der Geschichte zeigt sich, dass die Energiewende weniger teuer wird, als gedacht. Die Kosten, die hin zu einer nachhaltigen Versorgung mit Energie entstehen, sind beispielsweise mit der Wiedervereinigung vergleichbar.

Zudem verweisen Experten auf die Kosten nach einer erfolgreichen Energiewende im Bereich der Energie. Ist der Wandel erst einmal erfolgreich vollzogen, bewegen sich die finanziellen Belastungen auf einem zu heute vergleichbaren Niveau. Für den Endverbraucher dürfte die Energieversorgung letzten Endes also nicht teurer werden.

Wie ist der aktuelle Stand?

Die Energiewende hin zur nachhaltigen Energieversorgung in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität nimmt Fahrt auf, so salopp lässt sich die Entwicklung in den vergangenen Jahren beschreiben. Durch massive Investitionen und zugleich ein stark gestiegenes Interesse der beteiligten Parteien wächst der Anteil der nachhaltig gewonnenen Energie kontinuierlich. Dies zeigt sich beispielsweise im Stromsektor besonders deutlich.

Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Bedarf lag schon im Jahr 2019 bei 42 Prozent und stieg innerhalb eines Jahres auf 45,4 Prozent. Geringer fällt der Anteil allerdings im Bereich Wärme aus, dieser liegt hier bei lediglich 15,2 Prozent. Mit 7,3 Prozent gestaltet sich der Anteil im Verkehrssektor zwar am geringsten, das Wachstum fällt allerdings deutlich aus. Über 22 Prozent Anstieg im Vergleich zum Vorjahr zeigen eine immense Motivation und technische Fortschritte gleichermaßen.

Dennoch reichen die Maßnahmen bisher für eine erfolgreiche und vollständige Energiewende nicht aus. Das Wachstum zeigt nur den richtigen Weg. Weiterhin sind enorme Anstrengungen notwendig, um den Verzicht auf endliche Ressourcen zu ermöglichen.

Hierzu kann jeder private Haushalt und jeder Unternehmer einen Teil beitragen, beispielsweise mit der Erzeugung erneuerbarer Energien auf dem eigenen Grundstück oder durch das Überdenken des eigenen Konsumverhaltens. Das Ziel einer nachhaltigen Energieversorgung bis zum Jahr 2050 kann somit jeder Anwender unterstützen, auch ohne große finanzielle Investitionen oder einen enormen Aufwand.