Stromerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2018

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat im Juli 2018 einen Bericht zur Stromerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2018 veröffentlicht. Untersucht wurden dabei die Anteile von erneuerbarer und nichterneuerbarer Energie an der gesamten deutschen Stromproduktion sowie ihre Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr.




Brutto- vs. und Nettostromerzeugung

Das Frauenhofer ISE bezieht sich in seinem Bericht auf die deutsche Nettostromerzeugung. Also auf den Strommix, der tatsächlich in den deutschen Haushalten aus der Steckdose kommt. Im Gegensatz dazu verwendet die AG Energiebilanzen, eine Arbeitsgemeinschaft aus Energiewirtschaftsverbänden und Forschungsinstituten, bei ihrer jährlichen Energiebilanz Brottozahlen. Die Daten der Bruttoenergieerzeugung enthalten auch den Strom, der direkt im Kraftwerk für dessen Betrieb wieder verbraucht wird sowie die Eigenstromerzeugung der Industrie. Dieser Strom wird nicht in das öffentliche Netz eingespeist. Damit die Bilanz ausgeglichen ist, werden auf der Verbrauchsseite diese Stromverluste dem Bruttostromverbrauch wieder hinzugerechnet. Durch diese Praxis unterscheiden sich die Zahlen von Brutto- und Nettostromerzeugung, wozu es zu unterschiedlich großen Anteilen der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung in den jeweiligen Berichten kommt.

Erneuerbare Energien: Wind, Solar, Wasserkraft und Biomasse

Windenergie hatte im ersten Halbjahr 2018 den größten Anteil an der Stromerzeugung im Bereich der erneuerbaren Energien. Etwa 55,2 TWh wurden im untersuchten Zeitraum produziert, 7,3 TWh mehr als im Vergleichszeitraum des ersten Halbjahres 2017. Das entspricht einem Anstieg von 15,2%. Windenergie ist damit mit einem Anteil von 20,2% nach der Braunkohle die größte Energiequelle in Deutschland. Der Anteil an Onshore Wind beläuft sich dabei auf 83,5%.
22,3 TWh Strom wurden im ersten Halbjahr 2018 von Photovoltaikanlagen produziert. Die Produktion erhöhte sich, im Vergleich zum Vorjahr, um etwa 2,4 TWh. Das entspricht einem Anstieg 12,2%. Am 06.05.2018 um 13:00 Uhr wurde die maximale Solarleistung von ca. 31 GW produziert. Solarenergie produzierte zu diesem Zeitpunkt 50% des gesamten Nettostroms. In den Monaten Mai und Juni 2018 war die monatliche Solarstromerzeugung höher als die der Stromerzeugung durch Kernenergie und Steinkohle.
Die Energiegewinnung durch Wasserkraft wurde im Vergleich zum Vorjahr um 1,6% auf etwa 11,2 TWh gesteigert.
Biomasse lieferte im ersten Halbjahr 2018 mit ca. 23 TWh etwas weniger Energie als im ersten Halbjahr 2017. Die Energieproduktion ist von etwa 24 TWh um 6,4% gesunken.
Die gesamte Nettostromerzeugung durch erneuerbare Energien betrug im ersten Halbjahr 2018 ca. 112 TWh. Damit ist die Produktion im Vergleich zum Referenzzeitraum im ersten Halbjahr 2017 von etwa 104 TWh um 7,7% gestiegen. Der Anteil von erneuerbaren Energien an der deutschen Nettostromerzeugung betrug von Januar bis Juni 2018 41,1%. Betrachtet man die Zahlen der Bruttostromerzeugung, liegt ihr Anteil lediglich bei 38%.

Nicht erneuerbare Energien: Kernkraft, Braunkohle, Steinkohle, Gas

Braunkohlekraftwerke haben im Bereich der nicht erneuerbaren Energien den größten Anteil an der Nettostromerzeugung in Deutschland. Sie bilden auch insgesamt den größten Stromlieferanten. Die Produktion fiel allerdings im Vergleich zum Vorjahr um 1,9% auf ca. 66,7 TWh. Damit lag ihr Anteil an der gesamten deutschen Stromproduktion im untersuchten Zeitraum bei 24,5%.
Kernenergie hatte im ersten Halbjahr 2018 einen Anteil von 12,7%. 34,7 TWh wurden in diesem Zeitraum produziert, was einer Steigerung von 9% im Vergleich zu 2017 entspricht. Das ist vor allem auf kürzere Zeiten für Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie den Austausch von Brennelementen zurückzuführen.
Die Stromversorgung durch Braunkohle ist im Vergleich zum Vorjahr um 21,2% gesunken und lag im untersuchten Zeitraum bei 36,0 TWh.
Auch die Stromerzeugung durch Gaskraftwerke für die öffentliche Stromversorgung ist gesunken. Ganze 22,5% unter dem Produktionsniveau aus dem Vorjahr lag die produzierte Menge von ca. 20,4 TWh.

Exportüberschuss

Im ersten Halbjahr 2018 wurde in Deutschland ein Exportüberschuss von etwa 22 TWh erreicht. Gegenüber 2017 ist das ein Rückgang von 14%. Untersucht wurden die tatsächlichen physikalischen Flüsse, nicht der europäische Stromhandel. Der größte Anteil am aus Deutschland exportieren Strom hatten die Niederlande, Österreich, Schweiz und Polen. Strom importiert wurde aus Frankreich und Schweden. Da Deutschland auf Grund seiner Lage das größte Transitland im europäischen Stromhandel ist, wurde der größte Teil des importierten Stroms an andere Länder weitergeleitet.

Börsenstrompreis

Der durchschnittliche Day-Ahead Börsenstrompreis, der einen Tag vor der jeweiligen Lieferung ausgehandelt wird, lag im ersten Halbjahr 2018 bei 34,75 Euro/MWh. Im gleichen Zeitraum 2017 lag dieser bei 34,05 Euro/MWh, was einem Anstieg von etwa 2% entspricht.




Fazit

Der Anteil der erneuerbaren Energien bei der deutschen Nettostromerzeugung ist im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr von 38,6% auf 41,1% gestiegen. Außer bei der Biomasse konnte die Produktion im Bereich der nachhaltigen Stromerzeugung in jedem Sektor gesteigert werden. Nicht erneuerbare Energien lieferten, außer im Fall der Kernenergie, durchweg weniger Strom als im Vorjahr. Die Hauptgründe für den Energiegewinn der Kernenergie wurde oben erwähnt. Der Trend der Stromgewinnung durch erneuerbare Energien setzt sich in Deutschland also weiterhin fort. Kontinuierlich konnte der Anteil von 8,6% im Jahr 2002 auf über 40% im Jahr 2018 gesteigert werden.

Quellen: ise.fraunhofer

Bildquelle: pixabay

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