Ist ein PV-Speicher auch ohne Förderung wirtschaftlich?

Photovoltaikanlagen erzeugen die meiste Energie tagsüber, ihre Besitzer benötigen den Strom jedoch vor allem in den Abendstunden. Helfen können da Solarstromspeicher – sie verschieben den Verbrauch der selbsterzeugten Energie. Bislang galten sie aufgrund hoher Anschaffungskosten aber als nicht wirtschaftlich. Doch das ändert sich jetzt.

Scheint die Sonne, freuen sich die Besitzer einer Photovoltaikanlage. Dann werden Fernseher und Waschmaschine mit der günstigen, grünen Energie vom Dach versorgt. Rund 1,5 Millionen Solaranlagen waren im vergangenen Jahr auf deutschen Dächern installiert, hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) ermittelt. Mit einer Nennleistung von etwa 40 Gigawatt deckten sie an sonnigen Werktagen bis zu 35 Prozent des momentanen Stromverbrauchs, an Sonn- und Feiertagen sogar bis zu 50 Prozent. Der Grund für diese Diskrepanz: Den meisten Strom liefert die Solaranlage tagsüber – dann sind die Eigenheimbesitzer zumindest am Werktag jedoch nicht zu Hause. Ist die Familie abends dagegen versammelt, spendet die Sonne keine Energie mehr.

Speicher verdoppelt Eigenverbrauch

Aus diesem Grund verbrauchen Photovoltaikanlagen-Besitzer nur etwa 30 Prozent ihres selbsterzeugten Sonnenstroms – den Rest speisen sie ins öffentliche Stromnetz ein. In den Abendstunden und an sonnenarmen Tagen müssen sie jedoch teuren Strom zukaufen. Für die Hausbesitzer ist es daher attraktiv, den Solarstrom zu speichern und mit den modernen Batteriesystemen ihren Eigenverbrauchsanteil auf rund 60 Prozent zu verdoppeln.

Sinkende Kosten heizen Nachfrage an

Lange Zeit jedoch galten die Solarstromspeicher aufgrund hoher Anschaffungskosten als unwirtschaftlich. Auch deshalb fördert die KfW-Bank die Anschaffung der Speicher seit Mai 2013 mit einem zinsgünstigen Darlehen. Doch auch die Herstellungskosten der Sonnenbatterien sinken: Die steigende Nachfrage führt zu Skaleneffekten in der Serienproduktion und bei der Installation – in den vergangenen beiden Jahren sind die Systempreise für Lithium-Ionen-Speicher um jeweils etwa 18 Prozent gefallen. Und auch in den kommenden Jahren seien Kostensenkungen bis zu zehn Prozent pro Jahr realistisch, meint Peter Eckerle, Geschäftsführer des Vereins StoREgio Energiespeichersysteme. „Steigt der Haushaltsstrompreis und fallen die Kosten weiter wie bisher, könnten die Speicher 2017 oder 2018 wirtschaftlich sein“, prognostiziert Eckerle. Derzeit seien Speichersysteme auf Lithium-Ionen-Basis inklusive Installation und Wechselrichter für rund 1.300 Euro je genutzter Kilowattstunde Speicherkapazität zu haben. Fallen die Kosten unter 1000 Euro je genutzter Kilowattstunde, sparen Kleinspeicher beim aktuellen Strompreis mehr, als Anschaffung und Installation kosten.

Angesichts der bevorstehenden Wirtschaftlichkeit dürfte die Nachfrage nach Speicherlösungen in den kommenden Jahren kräftig steigen, erwartet auch der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie. Heute sind nach Angaben des Verbandes rund 40.000 Solarstromspeicher in Deutschland installiert. Zum Vergleich: Ende vergangenen Jahres waren es etwas mehr als 30.000, Ende 2014 gar nur 15.000.

Mit Stromspeicher im Sommer energieautark

Es sind vor allem die klassischen Eigenheimbesitzer, deren Anlagen Spitzenleistungen von vier bis acht Kilowatt bringen und die deshalb keine EEG-Umlage zahlen müssen, für die sich der Eigenverbrauch ihres Sonnenstroms lohnt. Das rechnet Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesystem an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, vor: So benötige ein durchschnittliches Einfamilienhaus eine 35 Quadratmeter große Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von fünf Kilowatt, um einen Stromverbrauch von rund 4500 Kilowattstunden zu decken. Die Besitzer könnten jedoch nur etwa ein Drittel des erzeugten Stroms selbst verbrauchen, zwei Drittel werden ins Stromnetz eingespeist. Gleichzeitig muss die Familie aber abends und bei schlechter Witterung Strom zukaufen. Mit einem Lithium-Ionen-Speicher mit einer Nennleistung von fünf Kilowattstunden kann die Familie ihren Strombedarf im Sommer komplett eigenständig decken.

Ein solcher Photovoltaik Speicher kostet heute weniger als 10.000 Euro und könne gut 20 Jahre genutzt werden. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 25 Cent je Kilowattstunde lohne sich die Anschaffung des Speichers heute ohne Förderung nicht. Doch auch Quaschning glaubt, dass der Strompreis weiter steigt und die Kosten für die Speichersysteme in den kommenden Jahren sinken. Und dann würden sich die Sonnenbatterien rechnen. „Zudem sind Speicherbesitzer im Sommer weitestgehend autark, nur im Winter klappt das nicht so gut – da kommt einfach nicht genug Energie nach“, meint Quaschning und nennt gleich noch einen weiteren Vorteil der Solarstromspeicher: Die meisten Modelle versorgen ihre Besitzer auch bei einem Stromausfall weiter mit Energie.

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