Das autarke Haus – Wohnen in Zukunft wie es sein könnte

Immer mehr Bauherren träumen nicht nur vom eigenen Heim, sie wollen darin auch möglichst unabhängig von den Energieversorgern und deren zukünftigen Preissteigerungen sein. Die technischen Komponenten für den Bau eines solchen energieautarken Hauses existieren heute bereits – auf den Netzanschluss sollten sie aber trotzdem nicht verzichten.

Als Timo Leukefeld sein neues Eigenheim konzipierte, hatte er vor allem ein Ziel: Er wollte ein Haus bauen, das sich eigenständig mit Strom und Wärme versorgt. Für den Solarthermie-Professor und Energieexperten kein Problem. Für rund 450.000 Euro, von denen etwa 90.000 Euro auf die Technologie für die Autarkie entfielen, errichtete er im sächsischen Freiberg ein fast energieautarkes Haus, in dem er mit seiner Frau, den beiden Kindern und dem Au-pair seit drei Jahren lebt.

Die Energie kommt aus der Sonne

Die Energie, mit der Leukefeld sein Zuhause mit Strom und Wärme versorgt, kommt aus der Sonne. Solarmodule versorgen das Haus mit Strom, der in einer der beiden Solarbatterien gespeichert wird. In Jahren mit guter Witterung reicht der Sonnenstrom, um auch das Elektroauto zu betanken. In den vergangenen Jahren musste Leukefeld jedoch immer wieder Strom zukaufen – wenn auch oft nur wenige Kilowattstunden. Zudem hat Leukefeld eine Solarthermieanlage auf seinem Dach installiert. Das damit beheizte Wasser speichert er in einem großen Wassertank. So konserviert er die Sommerwärme für den kalten Winter. Leukefelds Haus ist zu 70 Prozent wärmeautark. Die restlichen 30 Prozent der benötigten Wärme kommen aus dem Holzpelletofen. In den vergangenen Jahren hat der Ingenieur etwa zwei bis drei Raummeter Holz gekauft – Kosten: rund 250 Euro pro Jahr.

Komplett unabhängig ist der Energieexperte damit nicht – obwohl das möglich wäre. Mit größeren Warmwasser- und Stromspeichern und mehr Solarpaneelen könnte sich ein Haus wie das von Timo Leukefeld auch zu 100 Prozent selbst versorgen. Jedoch wird jedes weitere Prozent Autarkie überproportional teuer – der Energieexperte hielt das für wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Auch ist Leukefelds energieautarkes Haus noch immer an die deutschen Versorgernetze angeschlossen. So will es auch das Gesetz. Denn in der Bundesrepublik muss jedes Gebäude zumindest mit der Kanalisation verbunden sein – und mit diesem Anschluss erfolgt die Anbindung an das Wasserversorgungsnetz. Auch die Nutzung des Regenwassers als Trinkwasser ist in Deutschland nicht erlaubt. Die Wasserautarkie wird damit durch rechtliche Vorgaben ausgeschlossen – mit Strom und Wärme dürfen sich die Bundesbürger aber selbstständig versorgen.

Autarkes Haus als Altersvorsorge

Viele Bauherren schätzen die energetische Unabhängigkeit durch die Selbstversorgung mit Strom und Heizwärme, liegen die Vorteile doch auf der Hand: Die Unabhängigkeit von den öffentlichen Netzen schützt die Hausbesitzer vor steigenden finanziellen Belastungen durch Strompreis- oder Energiesteuererhöhungen. Zudem fallen – ist das Haus einmal abgezahlt – nur noch geringe Kosten für das Wohnen an. Denn die Energie für Heizung, Strom und Warmwasser wird von der Sonne kostenlos produziert. Lediglich Reparaturen und der gelegentliche Austausch einer Komponente müssen vom Hausbesitzer einkalkuliert werden. Attraktiv sind solche energieautarken Gebäude deshalb vor allem als Altersvorsorge: Kosten Wohnen, Strom und Wärme nichts, bleibt die Rente für die angenehmen Dinge des Lebens.

Doch es gibt auch Nachteile. Vor allem die Versorgungssicherheit ist in einem Gebäude ohne Stromanschluss nicht mehr gegeben. Nicht nur bei einem Ausfall des Systems sitzen die Bewohner im Dunkeln. Auch in Jahren mit überdurchschnittlich schlechter Witterung könnte die Speicherkapazität nicht ausreichen, um die Bewohner während des gesamten Winters mit ausreichend Strom und Wärme zu versorgen. Deshalb empfiehlt es sich, auf den Netzanschluss nicht zu verzichten – so kann im Zweifel Energie nachgekauft werden.

Schweizer verzichten auf Netzanschluss

Dass es aber auch ohne Netzanschluss geht, will jetzt die Schweizer Umweltarena beweisen. In ihrem 2016 fertiggestellten energieautarken Mehrfamilienhaus gibt es keinen Strom- oder Gasanschluss. Solarmodule auf dem Dach und in der Fassade produzieren mehr Strom, als die Bewohner der neun Wohneinheiten verbrauchen. Der überschüssige Strom wird im Sommer mithilfe eines Elektrolyseurs in Wasserstoff umgewandelt und für den Winter gespeichert. In der kalten Jahreszeit sorgt eine Erdsondenwärmepumpe für wohlige 21 Grad Celsius. Ob das Haus ohne Netzanschluss aber hält, was seine Erbauer konzipiert haben, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen – denn die Bewohner leben erst seit dem vergangenen Sommer dort.

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